Geschichte:

1871  - 2001: Vom Männergesangverein bis hin zum modernen Frauenchor ...


Blättert man in den Chroniken des Vereins, so liest man  von engagierten Menschen, fleißiger Probenarbeit, gelungenen Aufführungen  und fröhlichen Festen und erlebt gleichzeitig ein Stück Simbacher  Geschichte. Begleiten Sie mich deshalb auf einem kurzen Streifzug durch die  vergangenen Jahre.

Ende  des 19. Jahrhunderts erlebte Simbach durch den Bau der Eisenbahn einen großen  Aufschwung. Viele Einwohner mit Freude am Gesang und dem Spielen eines Instrumentes  wünschten sich einen geselligen Zusammenschluss zum gemeinsamen Musizieren.  Am 06.10.1871 wurde deswegen ein “€žVerein zur Pflege des Gesangs und  der Musik in Verbindung mit geselligem Vergnügen” gegründet  - der Geburtstag des Liederkranzes.

Dem Einsatz  des 1. Vorstandes Georg Kleindienst und dem Chormeister Franz Reiter war es  zuzuschreiben, dass bereits am 06.01.1872 das Stiftungskonzert stattfinden  konnte.

Die Chronik  berichtet von glanzvollen Aufführungen und Konzerten. Mit Messen und  Benefizkonzerten, der Feier anlässlich der Fahnenweihe 1873 sowie alljährlichen  Frühlings- und Herbstkonzerten sicherte sich die Chorgemeinschaft einen  festen Platz im kulturellen Leben Simbachs. Schon 1882 zählte der Verein  bereits 58 aktive Sänger.

In der  ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte Dr. Franz Eisenreiter,  langjähriger Bürgermeister und Ehrenbürger Simbachs die Geschicke  des Vereins. 49 Jahre setzte er sich als Vorstand mit hohem Engagement und  großem Zeitaufwand für den Liederkranz ein. Mit der Aufführung  mehrerer Einakter, Sing- und Lustspielen wie z. B. dem “€žHolledauer Fidel”  und einem Ehrenabend anlässlich des 70. Geburtstages des Komponisten  und gebürtigen Simbachers Prof. Simon Breu gelangen dem Liederkranz viele  großartige Erfolge.

Während  des 2. Weltkriegs ruhte die Vereinstätigkeit und erst 1949 war die Chorgemeinschaft  wieder fähig, an die früheren Erfolge anzuknüpfen.

Nach  Lorenz Hölzlwimmer übernahm Eduard Steiger 1950 die Vorstandschaft.  Zusammen mit Hans Engelhardt als Chorleiter, Viktor Meier als Dirigenten des  Orchesters und Gudrun “€žFifi” Zeschner als Chormeisterin des Frauenchores  prägte er die frühen Fünfziger Jahre und machte den Liederkranz  mit glanzvollen Operettenaufführungen und Festkonzerten auch in der weiteren  Umgebung Simbachs berühmt. Einige von Ihnen werden sich vielleicht noch  an die “žFörsterchristl”, “€žGräfin Mariza”,  “€žDie Goldene Meisterin” oder “€žDie ungarische Hochzeit”  erinnern. Diese Jahre betrachten wir als Glanzzeit des Liederkranzes.

Aber  auch die Folgejahre waren immer wieder mit sehr guten Aufführungen im  Konzertbereich ausgefüllt. Neben öffentlichen Liederabenden und  Jubiläumsfeiern wirkte der Chor auch im kirchlichen Bereich und zeigte  seine Vielseitigkeit und die Bandbreite seines Könnens mit Aufführungen  der Waldlermesse bis hin zur Krönungsmesse von W. A. Mozart.

Getreu  dem Vereinszweck “€žPflege des Gesangs und der Musik in Verbindung mit  geselligem Vergnügen” kam neben ernsthafter und disziplinierter  Probenarbeit auch die Geselligkeit nie zu kurz. Dies beweisen viele Berichte  über gelungene Vereinsausflüge, Weihnachtsfeiern und Faschingsveranstaltungen,  die Teilnahme an Gausängerfesten und Besuche bei befreundeten Chören.

Bekannte  Simbacher Bürger haben sich neben ihren vielseitigen beruflichen und  gesellschaftlichen Verpflichtungen immer für den Verein eingesetzt. So  erinnern wir uns an Hans Liebl, Josef Grünberger, Rudolf Vierlinger und  Nikolaus Osgyani, die in ihrer Eigenschaft als Vorstand jeweils viel  Zeit und Engagement für die Leitung des Liederkranzes verwendet haben  und, unterstützt von ihren Familien, dazu beitrugen, dass der Verein  im kulturellen Leben Simbachs immer einen besonderen Platz eingenommen und  alle Wirren der Zeit überstanden hat.

Glockenweihe  1950, Gausängerfest 1951, Städteturnier gegen Herzogenaurach, Partnerschaft  Simbach-Skipton, Christkindlmärkte, Stadtfeste - wann immer sich  Simbach mit neuen Aktivitäten präsentierte, der Liederkranz war  mit von der Partie.

Dieses  stete Wirken wurde nicht nur im Umkreis von Simbach anerkannt: anlässlich  des 100Jährigen Gründungsjubiläums wurde dem Liederkranz 1972  die von Bundesprasident Heuss gestiftete “€žZelter-Plakette”  wegen der “€žin langjährigem Wirken erworbenen Verdienste um die  Pflege der Chormusik und des deutschen Volksliedes” verliehen.

Der 120. Geburtstag wurde dann mit einer Sonderausstellung im Heimatmuseum  und einem Ehrenabend für langjährige Mitarbeiter begangen.

Nach  mehr als 20 Jahren Vorstandsarbeit gab Nikolaus Osgyani das Amt 1992  an Ursula Stelzer ab, die seither mit Schwung und Einsatz die Geschicke des  Chores leitet und ihm ihren Stempel aufdrückt.

Diese  Entwicklung des Liederkranzes wäre aber bei aller Anstrengung niemals  ohne fähige Chorleiter machbar gewesen. Nach dem Tod von Hans Engelhardt  übernahm 1973 Josef Brandstätter die musikalische Leitung und führte  den Liederkranz erfolgreich durch viele Jahre. Dabei hatte er es nicht immer  leicht - ein Chor lebt ja nicht nur von seinen “€žMachern”,  sondern hauptsächlich von aktiven, sangesfreudigen Mitgliedern und Nachwuchsmangel  machte auch dem Liederkranz immer mehr zu schaffen.

 Doch  auch trotz mancher Durststrecken bewies der Chor immer wieder, dass er mit  guten Aufführungen das kulturelle Leben in Simbach bereichern konnte.  1992 übernahm Monika Glaser den Taktstock und gab dem Liederkranz neue  Impulse. Seit 1998 führt nun Jola Habereder musikalisch Regie und hat  mit polnischem Temperament und Einfallsreichtum eine neue Seite im Chorbuch  aufgeschlagen.

Die Entwicklung  im Vereinsleben und das geänderte Freizeitverhalten hat auch vor dem  Liederkranz nicht Halt gemacht: ausgehend von der Mitgliederstruktur entschlossen  wir uns deshalb 1998, den Weg als Frauenchor weiter zu gehen. Steigende Mitgliederzahlen  beweisen uns, dass diese Entscheidung richtig war und lassen uns hoffen, dass  der Liederkranz noch viele Jahre weiter bestehen wird.

( Festrede  von Ilona Haberl anlässlich des 130-jährigen Chorjubiläums  im Mai 2001 )

2011. 10 Jahre  sind vergangen und vieles hat sich verändert, doch der Liederkranz ist  weiterhin nicht aus dem kulturellen Leben der Stadt Simbach wegzudenken.  Ein kleiner Überblick soll  aber auch an dieser Stelle nicht fehlen:

Nach  Ursula Stelzer stand Ulrike Scheiblhuber ab 2003 der Vorstandschaft vor, bis  sie dieses Amt 2008 in die Hände von Ana-Maria Sander legte, die 2010  aus persönlichen Gründen den Vorsitz zurückgab. Nach einer  kurzen Interimsphase, in der 2. Vorsitzende Dr. Dieter Neurohr den Verein  kommissarisch leitete, ist seit 2012 nun Heidi Schmideder als 1. Vorsitzende  für die Geschicke des Vereins verantwortlich.

Seit  2006 begleitet Ruth Dürholz ambitioniert mit viel Schwung und Einfallsreichtum  die Chöre musikalisch, seit 2011 assistiert von Katharina Dries. Nachdem  diese aus familiären Gründen aus Simbach weggezogen ist, leitet  seit Herbst 2013 Monika Leitl mit neuem Schwung und neuen Ideen den Liederkranz.

Viele  personelle Änderungen, doch die größten Veränderungen  hat der Liederkranz selbst in den letzten 10 Jahren erlebt. So vereinen sich  in dieser Chorgemeinschaft nunmehr verschiedene Gruppierungen für jeden  Musikgeschmack. Neben den Sängerinnen und Sängern hat sich auch die Trommelgruppe  "Akwaaba" unter Leitung von Norbert Müller dem Liederkranz  angeschlossen. Deshalb haben wir in unserer Satzung auch den Vereinszweck  entsprechend in “€žPflege  des gemeinsamen Musizierens" abgeändert.

So spannen  wir einen Bogen von traditionellem deutschen Liedgut über Gospels und  Spirituals bis hin zu afrikanischen Klängen. Das Projekt "Simba  Kids", ein geplanter Kinderchor, ruht zwar momentan, aber wir geben die  Hoffnung nicht auf, dass auch einmal wieder mehr Nachwuchssänger Lust  und Zeit für ein Engagement in einem Verein finden.

Im Oktober  2011 feierten wir trotz aller Veränderungen und Flauten nun immerhin  bereits unser 140jähriges Bestehen.

2017. Und wieder hat sich beim Liederkranz so einiges verändert. Es wurde immer klarer, dass in unserer schnelllebigen Zeit eine wöchentliche Chorprobe nicht mehr möglich war, die Konkurrenz durch andere gute Chöre im Umfeld zu groß und das Interesse am geselligen Zusammensein sich verändert hat. Die letzte Chorleiterin hatte aufgehört. Eine neu Idee mußte her:

Viele Menschen singen gerne, fühlen sich aber nicht “gut genug” um in einem Chor mitzuwirken. Diese will der Liederkranz erreichen. Daraus entstand der  Plan Singabenden anzubieten. Ein mal im Monat (jeden 2. Dienstag von 19:30 - 21:00 Uhr) treffen sich nun alle sangesfreudigen Menschen und singen gemeinsam. Meist ohne Noten, einfach querbeet durch alle Musikrichtungen und unter wechselnder Leitung.

Die steigenden Teilnehmerzahlen sprechen für dieses Konzept und wir hoffen, noch mehr Menschen, die Spaß an der Musik haben, damit ansprechen zu können.

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